Dekubitus vorbeugen bei bettlägerigen Angehörigen: 7 beste Tipps
Wer Dekubitus vorbeugen möchte, weiß: Bei bettlägerigen Menschen kann schon nach wenigen Stunden dauerhafter Druckbelastung ein gefährliches Druckgeschwür entstehen. Viele pflegende Angehörige unterschätzen, wie schnell die Haut Schaden nimmt – und wie folgenreich ein Dekubitus ist.
Als Pflegeteam des DRK Bremen begleiten wir seit vielen Jahren Familien, die ihre Liebsten zu Hause versorgen. Wir wissen aus der täglichen Praxis: Mit dem richtigen Wissen lassen sich über 90 % aller Druckgeschwüre verhindern. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen 7 konkrete, praxiserprobte Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Angehörigen schützen. Sie erfahren, wie Sie gefährdete Stellen erkennen, richtig lagern und die Haut pflegen – Schritt für Schritt und leicht umsetzbar.
Was ist ein Dekubitus und warum sind bettlägerige Menschen so gefährdet?
Ein Dekubitus ist eine lokale Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes, die durch anhaltenden Druck entsteht. Betroffen sind vor allem Körperstellen, an denen Knochen dicht unter der Haut liegen.
Bei bettlägerigen Menschen wird das Gewebe an diesen Stellen zwischen Knochen und Matratze abgedrückt. Die Blutversorgung wird unterbrochen, das Gewebe stirbt ab. Weitere Informationen zur medizinischen Definition finden Sie bei Wikipedia.
Diese Körperstellen sind besonders gefährdet
Zu den typischen Risikozonen gehören das Steißbein, die Fersen, die Hüftknochen, die Schulterblätter und die Ellenbogen. In Rückenlage ist vor allem das Kreuzbein betroffen, in Seitenlage die Hüfte.
Achten Sie täglich auf Rötungen, die nach Druckentlastung nicht verschwinden – das ist das erste Warnzeichen (Dekubitus Grad 1). Prüfen Sie dies mit dem sogenannten Fingertest: Lässt sich eine gerötete Stelle nicht wegdrücken, besteht Handlungsbedarf.
Dekubitus vorbeugen bei bettlägerigen Patienten: Die 7 wichtigsten Maßnahmen
Die folgenden sieben Säulen bilden das Fundament einer wirksamen Dekubitusprophylaxe. Kombinieren Sie sie konsequent, um bettlägerige Angehörige optimal zu schützen.
1. Regelmäßige Umlagerung – das A und O
Die wichtigste Maßnahme, um Dekubitus vorzubeugen, ist die regelmäßige Positionsänderung. Als Faustregel gilt: alle zwei Stunden umlagern, bei stark gefährdeten Personen auch häufiger.
Bewährt haben sich die 30-Grad-Schräglage und der Wechsel zwischen Rücken- und Seitenlage. Führen Sie ein Lagerungsprotokoll, damit keine Position vergessen wird und alle Pflegepersonen den Überblick behalten.
2. Druckentlastende Hilfsmittel einsetzen
Spezielle Antidekubitus-Matratzen, Wechseldruckmatratzen und Weichlagerungskissen verteilen den Druck gleichmäßig. Für die Fersen eignen sich Freilagerungskissen, die den Druck komplett aufheben.
Viele dieser Hilfsmittel werden bei entsprechendem Pflegegrad von der Pflegekasse bezuschusst. Welche Ansprüche Sie haben, erfahren Sie in unserem Beitrag zu den Pflegegrad 2 Leistungen 2024.
3. Konsequente Hautpflege und Beobachtung
Halten Sie die Haut sauber, trocken und geschmeidig. Verwenden Sie pH-neutrale Waschlotionen und pflegen Sie mit einer Wasser-in-Öl-Creme.
Unsere Empfehlung: pH-neutrale Waschlotion Wasser-in-Öl Creme Hautpflege bettlägerig
Vermeiden Sie unbedingt Massagen geröteter Hautstellen und den Einsatz von Melkfett oder Puder – das schadet mehr, als es nützt. Kontrollieren Sie die Haut mindestens einmal täglich gründlich bei guter Beleuchtung.
4. Feuchtigkeit vermeiden
Feuchtigkeit durch Schweiß, Urin oder Stuhl weicht die Haut auf und macht sie extrem anfällig. Wechseln Sie Inkontinenzmaterial rechtzeitig und achten Sie auf atmungsaktive Unterlagen.
Faltenfreie, glatte Bettlaken verhindern zusätzlich Reibung und Druckstellen. Vermeiden Sie Krümel oder harte Gegenstände im Bett.
5. Ausreichende Ernährung und Flüssigkeit
Eine gute Versorgung mit Eiweiß, Vitaminen und Flüssigkeit stärkt das Gewebe und die Wundheilung. Mangelernährung ist ein erheblicher Risikofaktor für Druckgeschwüre.
Achten Sie auf mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit täglich (sofern medizinisch erlaubt) und eine eiweißreiche Kost. Bei Appetitlosigkeit hilft oft hochkalorische Trinknahrung.
6. Mobilisation fördern
Jede noch so kleine Eigenbewegung entlastet das Gewebe. Motivieren Sie Ihre Angehörigen zu kleinen Positionswechseln, unterstützen Sie beim Aufsetzen oder beim Sitzen im Sessel.
Auch Bewegungsübungen im Liegen fördern die Durchblutung. Ziel ist es, die Bettlägerigkeit so weit wie möglich zu reduzieren.
7. Fachliche Beratung nutzen
Zögern Sie nicht, sich professionelle Unterstützung zu holen. Pflegefachkräfte erkennen Risiken frühzeitig und schulen Sie im richtigen Umgang.
Detaillierte Standards zur Vorbeugung liefert das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP). Für den Einstieg in die häusliche Versorgung empfehlen wir außerdem unsere Anleitung zum Pflegen von Angehörigen zu Hause.
Häufige Fehler bei der Dekubitusprophylaxe
Aus unserer Praxiserfahrung wissen wir: Manche gut gemeinten Maßnahmen sind kontraproduktiv. Vermeiden Sie diese typischen Fehler.
- Sitzringe verwenden: Sie verlagern den Druck nur und behindern die Durchblutung.
- Rötungen massieren: Das schädigt das ohnehin belastete Gewebe zusätzlich.
- Umlagerung vergessen: Ohne Protokoll geraten Positionswechsel schnell in Vergessenheit.
- Fersen nicht beachten: Die Fersen sind besonders anfällig und werden häufig übersehen.
FAQ: Häufige Fragen zum Dekubitus vorbeugen bei Bettlägerigen
Wie oft muss ich einen bettlägerigen Menschen umlagern?
Als Richtwert gilt alle zwei Stunden. Bei hohem Risiko oder empfindlicher Haut kann ein kürzeres Intervall nötig sein. Nachts ermöglichen Wechseldruckmatratzen längere Ruhephasen.
Woran erkenne ich einen beginnenden Dekubitus?
Erstes Anzeichen ist eine anhaltende Hautrötung, die sich beim Fingertest nicht wegdrücken lässt. Später kommen Blasen, offene Stellen oder dunkle Verfärbungen hinzu. Bei Verdacht sollten Sie umgehend eine Pflegefachkraft oder den Arzt hinzuziehen.
Welche Hilfsmittel helfen, Dekubitus bei Bettlägerigen zu vermeiden?
Antidekubitus-Matratzen, Wechseldrucksysteme, Weichlagerungskissen und Fersenfreilagerungen sind besonders wirksam. Bei anerkanntem Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse häufig die Kosten.
Übernimmt die Pflegekasse die Kosten für Prophylaxe-Hilfsmittel?
Ja, bei ärztlicher Verordnung und passendem Pflegegrad werden viele Hilfsmittel bezuschusst oder leihweise gestellt. Wie Sie einen Pflegegrad erhalten, lesen Sie in unseren Tipps zum Pflegegrad beantragen.
Kann ein Dekubitus auch trotz guter Pflege entstehen?
In Einzelfällen ja – etwa bei sehr schlechter Durchblutung oder am Lebensende. Eine konsequente Prophylaxe senkt das Risiko jedoch drastisch und ist immer sinnvoll.
Fazit: Vorbeugen ist besser als heilen
Wer bei bettlägerigen Angehörigen Dekubitus vorbeugen will, braucht vor allem drei Dinge: regelmäßige Umlagerung, konsequente Hautbeobachtung und die richtigen Hilfsmittel. Diese Maßnahmen sind einfacher umzusetzen, als viele denken – und sie ersparen Ihren Liebsten großes Leid.
Sie fühlen sich unsicher oder wünschen sich fachliche Unterstützung bei der häuslichen Pflege? Das erfahrene Team des DRK Bremen berät Sie gerne persönlich und zeigt Ihnen die richtigen Handgriffe. Kontaktieren Sie uns noch heute für ein unverbindliches Beratungsgespräch!